Honky-Tonk-Gründer Brähler: Nur glückliche Gesichter

Kneipenfestival in Leipzig – 25 Jahre Honky Tonk

Festivalgründer Brähler: „Ich sehe immer glückliche Gesichter“

Dominik Brähler organisiert seit 25 Jahren das Honky Tonk. Im Gespräch spricht der Leipziger Veranstalter und Festivalgründer über die Herausforderungen bei der Festival-Planung, über die Gagen von Bands, die Highlights der letzten Jahrzehnte und was er dem Nachwuchs dringend raten würde.


Herr Brähler, 1993 haben Sie das erste Kneipenfestival in Schweinfurt ausgerichtet. Aus einer Bierlaune heraus?

Fast (lacht). Genau genommen ist das Honky Tonk damals bei mir Zuhause in Franken aus einer Weinschorle- Laune heraus entstanden. Ein erfolgreiches Konzept war damals auch dringend nötig, sonst wäre die Agentur pleite gegangen. Wir hatten also auch einen gewissen Druck, was Neues auf die Beine zu stellen.

Mittlerweile wird das Honky Tonk in 30 Städten ausgerichtet. Zu jedem Festival gehört immer auch ein Exzess… Die größten Herausforderungen oder gar Katastrophen hinter den Kulissen? 

In 25 Jahren passiert natürlich so einiges, wobei es einen richtigen Supergau nie gegeben hat. Da gab es eher so Dinge, dass mal eine Band anstatt nach Eisenberg in Thüringen nach Eisenberg in Rheinland Pfalz gereist ist. Die größte Herausforderung waren aber die Honky Tonks in Leipzig Anfang der 90er, hier mussten wir 115 Locations und 130 Bands an einem Abend koordinieren, das war schon brutal. Wäre heute schon aus sicherheitsrelevanten Gründen nicht mehr möglich. Und Materia hat mal das Hotelzimmer verwüstet, als ihn noch niemand kannte. Yvonne Catterfeld war da wesentlich pflegeleichter.

Trotz der Herausforderungen scheinen Sie nie ans Aufhören gedacht zu haben. Oder doch? 

Doch es gab mal eine Phase, da war ich kurz davor hinzuschmeißen. Das lag aber eher an falschen Beratern und Banken. Natürlich bin ich stolz, dass ich das überhaupt solange machen konnte und habe auch heute immer noch Spaß zu den Honky Tonks zu fahren. Das mit der großen Familie wird beim Honky Tonk noch richtig gelebt, teilweise reisen wir ja schon mehr als zwei Jahrzehnte zusammen durch Deutschland. Da weiß man schon viel Persönliches und Privates voneinander. Außerdem ist es immer ein schönes Erlebnis wenn man nach einem Honky Tonk vor irgendeiner Kneipe sitzt und glückliche Gäste an einem vorbei laufen. Da denkt man sich dann: Geil, wieder eine Stadt besoffen gemacht… vor Glück.

Sie haben damals zunächst viele kleine Touren und Konzerte gemacht. Hätten Sie sich damals träumen lassen, dass sich das Festival einmal so entwickelt? 

Nein, das Honky Tonk war definitiv nicht als Event geplant, das irgendwann mal seinen 25 Geburtstag feiert. Aber verrückterweise hat es alle gesellschaftlichen Veränderungen überlebt. Die Zahl der Bands und Kneipen war Mitte der 90er sehr hoch, in Leipzig erreichte das Festival mit 130 Bands seinen Zenit. Im heutigen Eventzeitalter hat sich das alles relativiert und liegt mittlerweile je nach Größe der Stadt mittlerweile zwischen 10-25 Kneipen und Bands. Leider gibt es in vielen kleineren Städten ein regelrechtes Kneipensterben, was auch oft mit dem Fortgang der jungen Bevölkerung zusammenhängt. Wir haben Städte, da lebten vor zehn Jahren noch 15.000 Menschen, heute nur noch 8.000. Oder anders ausgedrückt: Da hatten wir mal 18 Kneipen dabei und zum Schluss noch sieben.

Mit dem bevorstehenden Event in Leipzig am 5. Mai endet nun auch die Frühjahrssaison um die Honky Tonks. Weiter geht’s dann erst wieder im September mit dem Auftakt in Wolfenbüttel. Wo trifft man Sie dazwischen?

Wir sind schon mitten in den Vorbereitungen für den Herbst und haben schon wieder die Hälfte der Bands gebucht. Außerdem bekommt Leipzig in diesem Jahr ein neues Baby in die Wiege gelegt: Am 15. und 16. September richten wir das erste Craftbeerfestival in Leipzig aus und am 2. Oktober endlich mal wieder das Koch Kunst Fest.

Auf welche Bands freuen Sie sich in diesem Jahr ganz besonders und welche Band würden Sie gerne mal fürs Honky Tonk gewinnen?

Das Leipziger Festival hat wieder ein handverlesene Bandauswahl. Besonders freue ich mich auf Blues-Lady Sydney Ellis und die Maria König Kapelle. Gewinnen möchte ich viele Bands für das Honky Tonk. Aktuell Bilderbuch, aber von deren Gage können wir bestimmt fünf Honky Tonks veranstalten.

Apropos Gage – als Veranstalter muss man sich da ja auch immer wieder rechtfertigen… 

Beim Honky Tonk weiß man, dass man lange spielen muss für sein Geld, aber auch immer sein Publikum findet. Dafür bezahlen wir branchenübliche Gagen. An der Gagenhöhe kann man immer rumkritisieren, unsere Künstler wissen aber sehr genau, wie sich so ein Honky Tonk finanziert und welche Risiken es mit sich bringt. Da wir mit vielen Bands ja schon jahrelang zusammen arbeiten, sind unsere Gagen wohl ok. Schlimmer hingegen ist die Entwicklung, dass einige Clubs den Bands gar keine Gage mehr bezahlen und sie quasi für den Hut spielen lassen. Diese Entwicklung ist vor allem für die Bands kritisch, die von ihrer Musik leben wollen. Kein Eintritt entwertet einfach die künstlerische Leistung.

Woran denken Sie nach all den Jahren besonders gerne zurück?

Ich denke immer wieder gerne an die vielen Menschen, die sich durch das Honky Tonk kennen und lieben gelernt haben. Da gibt es tatsächlich einige Paare und die kommen auch immer wieder.

Fehler gehören zum Wachsen dazu. Aber man muss ja nicht überall auf der gleichen Bananenschale ausrutschen. Was würden Sie dem Nachwuchs mit auf den Weg geben?

Man sollte sich im Vorfeld bewusst sein, auf was man sich da einlässt. Festivals zu planen ist herausfordernd, dafür gibt es einfach mittlerweile viel zu viele Festivals jeglicher Couleur und man findet ganz schwer eine Nische. Wenn man die aber findet, muss von Anfang an das ganze Herzblut einfließen lassen. Und die Kalkulation nicht vergessen, da stecken wirklich Tücken drin. Ich habe nach zwei Jahren meine erste GEMA Rechnung bekommen, für alle bis dahin gelaufenen Veranstaltungen. Das war echt hart.

Letzte Frage – wohin soll’s die nächsten 25 Jahre gehen? 

Eigentlich soll es so weiter gehen wie bisher, mit Spaß und Freude, dann wird auch das Publikum seinen Spaß haben. Was soll ich da groß ändern, ich sehe immer glückliche Gesichter.


Text & Bild (Sabrina Lieb). Erschienen am 5. Mai 2018 in der LVZ
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