Ein Wunsch, ein Baby, ein Mensch…

… und eine Geschichte, die man öfter erzählen sollte.

Ein Reportageprojekt über Spenderkinder in Deutschland

Lebensziele

In den meisten Werdegängen von Paaren kommt irgendwann einmal der Zeitpunkt für Nachwuchs. Wenn aus Liebe Leben wird – die Entscheidung für ein Kind ist dabei für viele Menschen mit einem sehnlichsten Wunsch verbunden und einem gemeinsamen Ziel, das dem eigenen Leben Sinn stiftet. Vielleicht sind Sie bereits selbst Vater oder Mutter, planen eine Elternschaft oder mögen zumindest schon einmal die Vorfreude zweier Menschen miterlebt haben, die begeistert ihrem neuen Lebenskapitel entgegenfiebern und voller Stolz den baldigen Nachwuchs ankündigen. Wenn es nicht klappt, wird meist geschwiegen.

„Es gibt immer Mittel und Wege“

… sagt der Volksmund. Einer davon ist die Samenspende. Lange Zeit haben Reproduktionsmediziner mit rechtswidrigen Anonymitätsversprechen entschieden, dass Spenderkinder ihren biologischen Erzeuger nicht zu kennen brauchen. Dabei wurde oft übersehen, dass auch diese Babys Würde und Rechte haben, und zu Erwachsenen mit eigenen Bedürfnissen heranwachsen. Ähnlich wie adoptierte Menschen haben über 80 Prozent der aufgeklärten Spenderkinder den Wunsch zu erfahren, wer ihr biologischer Vater ist. Nachdem die Samenspende lange als moralisch anstößig und erst mit der Entscheidung des  Deutschen Ärztetages 1970 als nicht mehr sittenwidrig galt, werden heute wie selbstverständlich künstliche Inseminationen mit Spendersamen in Unikliniken und Kinderwunschpraxen angeboten. Damit wurde schon unzähligen Paaren zum erhofften Nachwuchs verholfen, denen dieser Wunsch auf natürlichem Wege sonst verwehrt geblieben wäre.

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Carla und Paula, wenige Wochen alt I Heidelberg

Familiengründung zu dritt

Schätzungsweise gibt es mehr als 110.000 Kinder in Deutschland, die durch eine Samenspende gezeugt wurden. Jährlich werden rund 1.000 weitere geboren. Viele erfahren erst sehr spät von ihrer Zeugungsweise, manche werden nie aufgeklärt. Nach wie vor wird dieses Thema in vielen Familien tabuisiert. Die sogenannte „Familiengründung zu dritt“ ist für viele Paare, insbesondere für die sozialen Väter, häufig mit Scham und Angst verbunden. Ein offener Umgang ist allerdings für alle Beteiligten, insbesondere für die Kinder wichtig, die mit und an dieser besonderen Lebensgeschichte wachsen müssen.

Projektvorstellung

Das Reportageprojekt soll Menschen zeigen, die einst durch eine anonyme Samenspende entstanden sind. Es ist im Sommer 2017 gestartet und auf die Dauer eines Jahres ausgelegt, bei dem ich Spenderkinder in ganz Deutschland besuchen und in ihrem Alltag fotografieren werde. Zu den Bilderstrecken gibt es jeweils auch Erfahrungsberichte, die die persönliche Sicht der Spenderkinder und Familien wiedergeben. Nach heutigem Stand haben sich bereits über 30 Männer und Frauen bundesweit dazu bereit erklärt, mir diesen intimen Einblick in ihr Leben zu gewähren. Ziel ist es, die Bilderstrecke samt persönlicher Geschichte in einem abschließenden Buchprojekt und einer deutschlandweiten Wanderausstellung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und insbesondere in jenen Städten auszustellen, in denen die jeweiligen Spenderkinder entstanden sind.

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Sven, 36 I Historiker in Dresden

Warum solch ein Vorhaben?

Weil es noch immer Tabus gibt, die keine (mehr) zu sein brauchen. Das Projekt soll Menschen zeigen, die mutig zu ihrer eigenen Geschichte stehen, einem gesellschaftlich relevantem Thema ein Gesicht geben und eine Einladung an Gleichgesinnte, Familien und Spenderväter sein, offener mit der Thematik umzugehen.


Ein Reportagenprojekt über Spenderkinder in Deutschland. Projektzeitraum 2017/2018. An dieser Stelle herzlichen Dank an den Verein der Spenderkinder für die Unterstützung bei der Umsetzung des Projektes. Bei Interesse an den Reportagen im Rahmen einer Ausstellung oder redaktionellen Berichterstattung geht’s hier zur Kontaktaufnahme


Bisherige Ausstellungstermine

12./13. Mai 2017 (Hamburg) 
Ausstellung im Rahmen der öffentlichen Fachtagung "Kinderwunsch? Beratung! Perspektiven der psychosozialen Kinderwunschberatung in Deutschland"