Achtsamkeit mit Keramik
Einführung ins japanische Tonschnitzen

Aus Ton geschnitzte Langsamkeit
Das Arbeiten mit Keramik beruhigt den Geist. Gerade das fokussierte Arbeiten mit Ton kann uns im Hier und Jetzt verorten und ist dabei so bodenständig handwerklich. Tauche ein in die faszinierende Welt der japanischen Keramikkunst und erlebe, wie aus einem einfachen Tonblock ein einzigartiger Keramikbecher entsteht. In diesem Workshop bekommst du einen Einblick in die Jahrhunderte alte Kurinuki Methode, die dich Langsamkeit, Geduld und die Ästhetik des Unperfekten lehrt.
Im Anschluss an den Workshop werden deine Keramiken von mir gebrannt und glasiert. Sobald deine Keramiken fertig ist, kannst du sie bei mir abholen oder gegen Übernahme der Versandkosten zu dir nach Hause senden lassen. Der Workshop richtet sich an Einsteiger und Fortgeschrittene gleichermaßen. Es sind keinerlei Vorkenntnisse nötig. Bitte mitbringen: Offenheit, Neugier, Freude am Entdecken und Erforschen, die Bereitschaft, dich auf Stille und Langsamkeit einzulassen. Lass Zuhause: Selbstzweifel und deinen Anspruch an Perfektion.
Jede:r Teilnehmer:in fertigt drei Werkstücke an.

Deine Kurinuki Experience – einen Moment Stille im Kopf
Die Workshops sind mobile Workshops und finden deutschlandweit statt: Als kreative Einzelworkshops für private Runden, als entspannende Slow Craft Events auf Kreativhöfen, in Naturhotels oder Auszeithäusern, als achtsame Team-Events für Unternehmen oder in Kombination mit Retreats in den Bereichen Achtsamkeit, Prävention und Stressbewältigung.
Das bedeutet, ich bringe alles an Materialien, Werkzeuge und Equipment mit. Alles was von eurer Seite benötigt wird ist ein Tisch mit Stühlen (alternativ Bänken), ein kleiner Beistelltisch für die fertigen Werke sowie ein Wasseranschluss. Workshops in Gärten und unter freiem Himmel haben sich als besonders entspannend erwiesen. Durch den unmittelbaren Kontakt mit der Natur kommen die Teilnehmer:innen noch einmal besonders intensiv in den Genuss der beruhigenden Kunst des Kurinuki. Geschlossene Räume sind selbstverständlich möglich, sofern es die Möglichkeit gibt, sich zwischendurch die Füße zu vertreten.
Preise richten sich nach Anzahl der Personen. Für weitere Anreisen (ab 80 km um Stuttgart) erlaube ich mir eine Anfahrtspauschale zu berechnen. Gerne unterbreite ich ein individuelles Angebot. Interesse an einem Workshop oder an einer Kooperation zusammen mit deiner Veranstaltung? Dann schreib mir bitte eine Mail. Bereits stattfindende Workshops findest du unter Events


Was ist Kurinuki? Ein kleiner Einblick
Wörtlich übersetzt, bedeutet Kurinuki (刳り貫き) ‚heraushöhlen‘ oder ‚ausschnitzen‘. Im Vergleich zum Drehen an der Keramiktöpferscheibe, beginnt man hier mit einem massiven Tonklotz, aus dem die gewünschte Form händisch herausgearbeitet wird. Die Form entsteht durch intuitives Schneiden, Kratzen, Schnitzen und Aushöhlen. Dabei entstehen Unikate mit Charakter voller Tiefe, Ausdruck und spürbarer Handarbeit.
Kurinuki Keramik als Achtsamkeitspraxis
Kurinuki ist eine Handwerkskunst, um sich „in sich selbst“ zu vertiefen. Lange war Kurinuki ausschließlich in Japan als Teil der traditionellen, meist handwerklich und rituell geprägten Keramikkultur verbreitet. Seit den 90ern findet die Technik auch zunehmend bei uns im Westen mehr Beachtung. Gerade in unserer „Speedy Gonzalez“ Welt ist es besonders entschleunigend, sich ganz im Sinne des Slow Craft für einen Moment zu verlieren und sich „in sich selbst“ zu vertiefen. Da Kurinuki keine festen Regeln kennt, ist jeder Schaffensprozess einzigartig und gerade das Entstehen und Werden wichtiger als das eigentliche Ergebnis an sich.
Weil Kurinuki wie bereits beschrieben eng mit dem japanischen Schönheitsideal des Wabi-Sabi verbunden ist, steht hier die Wertschätzung von Einfachheit und Unvollkommenheit im Mittelpunkt. Ein schiefer Rand, unregelmäßige Wandstärken, eine eingerissene Textur – im Zeichen des Kurinuki sind diese Merkmale kein Makel, sondern ein Teil der Geschichte der Schale und des Menschen, der sie gefertigt hat. Sie sind jene Zeitzeugen, die uns eindrücklich vermitteln: Hier war weder Computer noch Maschine am Werk. Sondern ein Mensch mit Gefühl, Geduld und Gespür.


Wie alles begann: Die Wurzeln des Kurinuki
Der Beginn der Kurinuki-Technik lässt sich bis in die japanische Frühgeschichte zurückverfolgen. Bereits in der Jōmon-Zeit, eine Zeit zwischen 14.000 – 300 vor Christus, entstanden die ersten handgefertigten, ausgehöhlten Keramikobjekte. Der Begriff Kurinuki selbst wurde zwar erst später geprägt, jedoch war das Prinzip des Aushöhlens aus einem Tonklotz schon weit verbreitet, um händisch wertvolle Gefäße zu formen. Während der Edo-Zeit zwischen den Jahren 1600 und 1868 wurde Kurinuki schließlich bewusster als gestalterisches Mittel in der Teekeramik eingesetzt. Ganz im Geiste des eigentlich nur schwer zu übersetzenden Wabi-Sabi, das grundlegend auf der Ästhetik des Unperfekten fußt und sich durch Asymmetrie, Rauheit, Unregelmäßigkeit, Einfachheit und Sparsamkeit auszeichnet. Anspruchslosigkeit und Bescheidenheit beweisen Achtung vor der Eigenheit der Dinge – besonders im Kontext der japanischen Teezeremonie entstanden hier bereits früh Teeschalen, die eben nicht durch Perfektion, sondern Präsenz und Persönlichkeit wirkten.

Bis bald zu Tisch.